Studien zu Regenbogenfamilien
Lesbische Mütter
Die am besten erforschte Gruppe innerhalb der vielfältigen Konstellationen von Regenbogenfamilien ist diejenige mit lesbischen Müttern. In den 1970er-Jahren wurden bei Sorgerechtsstreitigkeiten Bedenken geäußert, dass lesbische Frauen weniger fürsorglich sein könnten als heterosexuelle Frauen und dass Kinder sowohl einen männlichen als auch einen weiblichen Elternteil benötigen, um sich gut zu entwickeln.
Die ersten Studien in den USA und Großbritannien verglichen Kinder von geschiedenen lesbischen Müttern mit denen von geschiedenen heterosexuellen Müttern und fanden keine Unterschiede in Bezug auf soziale, emotionale oder Verhaltensprobleme bei den Kindern. Seitdem hat eine Vielzahl von Studien in Nordamerika, Europa und Australien gezeigt, dass eine gute Entwicklung der Kinder nicht mit der sexuellen Orientierung der Mutter zusammenhängt.
Eine der bedeutendsten Studien zu Familien mit zwei Müttern ist die National Longitudinal Lesbian Family Study (NLLF) von Nanette Gartrell und Henny Bos, die in den 1980er-Jahren startete und immer noch Ergebnisse liefert. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Kinder aus lesbischen Familien in gesundheitlicher und psychologischer Entwicklung, akademischen Leistungen sowie sozialer Kompetenz und emotionaler Stabilität vergleichbare oder bessere Ergebnisse erzielen als Kinder aus heterosexuellen Familien. Trotz möglicher Diskriminierungserfahrungen weisen sie eine starke Resilienz auf sowie enge, positive Beziehungen zu ihren Müttern.
Schwule Väter
Da es immer noch selten vorkommt, dass Väter die Hauptbezugspersonen sind, werden Familien mit zwei Vätern als besonders ungewöhnlich wahrgenommen. Schwule Väter stellen traditionelle Annahmen infrage, dass Frauen fürsorglicher seien und besser für die Elternschaft geeignet wären. Trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse, die zeigen, dass Männer ebenso gute Eltern sein können wie Frauen, erleben schwule Väter häufig Stigmatisierung, was sich auf ihre psychische Gesundheit und die Entwicklung der Kinder auswirken kann. Die Forschung zeigt allerdings, dass sich Kinder in Familien mit schwulen Vätern, die durch Leihmutterschaft oder Adoption entstanden sind, ebenso gut entwickeln wie Kinder in heterosexuellen Familien.
Transidente Elternteile
Transidente Elternfamilien können durch biologische Elternschaft, Stiefelternschaft, assistierte Reproduktion, Adoption oder Pflege entstehen. Kinder können vor oder nach der Geschlechtsanpassung eines Elternteils geboren worden sein, wobei erstere Konstellation bei älteren trans* Eltern häufiger vorkommt und auch mehr Aufmerksamkeit in der Forschung erhalten hat.
Es gibt verbreitete Annahmen, dass Kinder durch einen transidenten Elternteil negativ beeinflusst werden könnten. Studien zeigen jedoch, dass Kinder in diesen Familien ähnliche oder geringere psychische Störungen aufweisen als die allgemeine Bevölkerung. Faktoren wie die Qualität der Elternbeziehung, soziale Stigmatisierung und das Alter des Kindes bei der Geschlechtsanpassung des Elternteils können das Wohlbefinden der Kinder beeinflussen.
Die Beziehung zwischen transidenten Eltern und ihren Kindern wird oft als qualitativ gut beschrieben, und die Geschlechtsidentität der Eltern hat wenig Einfluss auf die Eltern-Kind-Beziehung, auch wenn Kinder manchmal negativen Einstellungen von außen ausgesetzt sind.
Insgesamt bleibt die Forschung zu transidenten Elternfamilien begrenzt, da die Stichproben oft klein sind und auf Umfragen basieren. Angesichts der wachsenden Anerkennung von Transrechten ist jedoch zu erwarten, dass trans* Elternfamilien in Zukunft zahlreicher und sichtbarer werden, was zu einer ausgefeilteren Forschung führen könnte.
40 Jahre Forschung zu Regenbogenfamilien
Vier Jahrzehnte Forschung zu neuen Familienformen zeigen durchwegs, dass Kinder in Regenbogenfamilien gut angepasst sind und positive, unterstützende Beziehungen zu ihren Eltern erleben. Diese Kinder werden oft nach sorgfältiger Planung und Überwindung vieler Hürden geboren, sie sind also Wunschkinder, was zu besonders liebevollen Familienverhältnissen führt.
Die Forschung betont, dass die Qualität der Familienbeziehungen und das soziale Umfeld wichtiger für die psychische Gesundheit der Kinder sind als die Struktur der Familie, wie die Anzahl, das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung der Eltern. In Vergleichen mit traditionellen Familien gibt es meist wenige Unterschiede, und wenn, dann tendieren diese zugunsten der „neuen“ Familienformen. Allerdings kämpfen viele Familien, trotz wachsender Akzeptanz, immer noch mit Stigma und Diskriminierung, was die Entwicklung der Kinder negativ beeinflussen kann.
Frühere und auch aktuelle Forschung ist oft auf westliche, weiße und wohlhabende Stichproben beschränkt, was die Generalisierbarkeit der Ergebnisse einschränkt. Zukünftige Studien sollten eine größere soziodemografische Vielfalt einbeziehen und auch die rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen untersuchen, unter denen diese Familien leben.
Trotz Fortschritten bleiben Herausforderungen für Regenbogenfamilien bestehen, besonders in politisch und rechtlich restriktiven Umgebungen. Es ist entscheidend, dass die wissenschaftliche Forschung weiterhin solide Daten liefert, um Gesetzgebung und Praxis zu beeinflussen, damit Familien in all ihrer Vielfalt unterstützt werden können.
Hier sind einige der wichtigsten Studien:
USA National Longitudinal Lesbian Family Study (NLLFS)
Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften
School ist out?
Civic Competence Of Dutch Children in Female Same-Sex Parent Families
