Kinderwunsch

Vom Kinderwunsch zur Regenbogenfamilie

Dank zahlreicher rechtlicher Verbesserungen in den letzten 15 Jahren haben LGBTIQA+ Personen in Österreich heute verschiedene Möglichkeiten eine Familie zu gründen.

Wege zum Kind

Kinderwunschklinik

Seit 2015 haben lesbische Paare in Österreich die Möglichkeit sich in einer Kinderwunschklinik ihrer Wahl behandeln zu lassen. Manche Kliniken werben auch gezielt um Frauenpaare und gelten als besonders queerfriendly.

Die klassische Form der medizinisch unterstützten Fortpflanzung ist die sogenannte heterogene Insemination, bei der mithilfe von Spendersamen bei einer der Frauen eine Schwangerschaft herbeigeführt wird. Bei manchen Frauen gestaltet sich die Herbeiführung einer Schwangerschaft auf diesem Weg aufgrund von medizinischen Problemen aber als schwierig. Ist das der Fall kann unter Umständen eine Schwangerschaft durch In-Vitro-Fertilisation erreicht werden.

In einigen Kliniken ist es auch möglich sich mit Samenspenden von privaten Samenspendern behandeln zu lassen.

Sollte aus medizinischen Gründen eine In-Vitro-Fertilisation nötig sein, so steht Frauenpaare auch eine Unterstützung des sogenannten IVF-Fonds zu denselben Konditionen wie heterosexuellen Paaren zu.

Interessant könnte für manche Paare auch die sogenannte ROPA-Methode (Reception of Oocytes from Partner) sein, die in manchen Kliniken angeboten wird. Hierbei wird einer Partnerin die befruchtete Eizelle der anderen eingesetzt und das Kind von dieser ausgetragen.

Die Behandlungskosten variieren unter den verschiedenen Kinderwunschinstituten und hängen von der Art der Behandlung ab.

Heiminsemination

Eine Insemination kann mit Hilfe der sogenannten Bechermethode auch privat durchgeführt werden. Seit 2024 ist danach keine Stiefkindadoption mehr nötig. Sofern Samenspender und Partnerin der austragenden Frau der künstlichen Befruchtung zugestimmt haben, können beide Elternteile direkt nach Geburt des Kindes in die Geburtsurkunde eingetragen werden. 

Es gibt Unterschiede bezüglich Ehepartner:innen, eingetragene Partner:innen und Lebensgefährt:innen. Siehe dazu auch unseren Rechtsteil.

Sexuelle Interaktion

Queere Personen (z. B. bisexuelle Personen) können auch durch sexuelle Interaktion schwanger werden. Da es in Österreich keinen Operationszwang für transidente Personen gibt (geschlechtsangleichende Operationen bei Personenstandsänderung), ist es auch hier möglich, dass ein Kind durch sexuelle Interaktion entsteht. So können Regenbogenfamilien mit trans* und nicht-binären Elternteilen entstehen, deren Kinder mit beiden Elternteilen genetisch verwandt sind.

Manche Regenbogenfamilien entstehen auch, wenn Kinder aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen in neue queere Partner:innenschaften mitgebracht werden oder Elternteile sich als trans* outen.

Pflegeelternschaft

Pflegeelternschaft bedeutet, dass Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, in einer Pflegefamilie aufgenommen und dort betreut werden.

Pflegeeltern führen die Pflege und Erziehung aus, die rechtliche Vertretung sowie die Vermögensverwaltung bleibt allerdings bei der zuständigen Kinder- und Jugendhilfe.

Gleichgeschlechtliche Paare können sich in Wien bereits seit Mitte der 90er Jahre um eine Pflegeelternschaft bewerben. Mittlerweile ist das in ganz Österreich möglich, wobei in Wien die meisten Pflegeeltern gesucht werden. Auch Einzelpersonen können Pflegekinder aufnehmen.

Mehr Infos zur Pflegeelternschaft gibt es auf den Seiten des Bundes und des Vereins Eltern für Kinder Österreich.

Adoption / Auslandsadoption

Gleichgeschlechtliche Paare können seit 2016 gemeinsam Kinder adoptieren. In Österreich gibt es allerdings nicht viele Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, weshalb es hier zu längeren Wartezeiten kommen kann.

Ein vielleicht etwas kürzerer, wenngleich auch aufwändigerer Weg ist die Auslandsadoption. Hierbei können allerdings nur Kinder aus Ländern adoptiert werden, in denen die Adoption gleichgeschlechtlichen Paaren offensteht. Derzeit ist das vor allem Südafrika.

Auch hier ist der Verein Eltern für Kinder Österreich eine gute Informationsquelle.

Leihmutterschaft

Leihmutterschaft ist aktuell in Österreich nicht möglich. Paare, die diesen Weg einschlagen wollen, müssen dazu ins Ausland gehen. Länder, in denen das derzeit möglich ist, sind z.B. USA, Kanada und Kolumbien.